Comic: Reprodukt veröffentlicht de Crécys »Prosoopus«

NicolasdeCrecy-Prosoopus
Nicolas de Crécy – »Prosoopus«

Wie ich dem September-Newsletter von Reprodukt entnehmen kann veröffentlicht mein Lieblingscomicverlag »Ende September« mit »Prosoopus« von Nicolas de Crécy einen der wohl abgefahrensten Comics, die ich (nicht) kenne (aber schonmal reingeschaut habe). Auf der Website gibt’s wie so oft eine nette kleine Leseprobe, die der Abgedrehtheit des Comics nur ansatzweise gerecht wird.

Auf Nicolas de Crécy bin ich das erste mal aufmerksam geworden, als ich in den tiefen des Internets seine unglaublichen Arbeiten sah, die während seines Aufenthalts in der Villa Kujoyama in Japan enstanden. Außerdem hatte er irgendwie seine Hände bei Les triplettes de Belleville im Spiel, aber da gab es wohl Streitigkeiten und das Ende der Arbeits-Partnerschaft mit Sylvain Chomet (der wiederum arbeitet grade an einem Film namens The Illusionist nach einem Skript von Jacques Tati, das sollte man im Auge behalten). Außerdem hat de Crécys auch irgendwie bei Studio 4°s Genius Party mitgemischt, imd.com führt in als Regisseur des ersten Teils aber seine Episode mit dem Namen Le Manchot Mélomane harrt wohl bisher der Veröffentlichung.

Zurück zu »Prosoopus«. Natürlich würde ich Reprodukt den Erfolg mehr als gönnen und es ist sicher nicht zu verachten, wenn sich ein deutscher Verlag dieses Werkes annimt, aber in anbetracht der Tatsache, daß der Comic komplett ohne Worte auskommt, könnte man sich in Zeiten des Internets wahrscheinlich auch einfach das Original bestellen. Was ich natürlich nie tun würde. Es sei denn vielleicht, es ist billiger als die 18 €, die Reprodukt für den Comic haben will. Nein, natürlich nicht, kleine Verlage muss man unterstützen (auch wenn die wahrscheinlich niemals den lang angekündigten zweiten Band von Suehiro Maruos »Der lachende Vampir« oder sein »Kamelienmädchen« veröffentlichen).

Anders sieht es z. B. bei Shaun Tans umwerfenden »Ein neues Land« aus, einem Comic, der ebenfalls ohne Sprache auskommt. Bei Amazon kostet Carlsens Version 29.90 €, während das Original nur 14.00 € kostet. Wobei man sich das ja nun nicht unbedingt bei Amazon bestellen muss, sondern auch dem lokalen Buchhändler mal wieder einen Besuch abstatten könnte. In Braunschweig ist das Graff (und nicht Thalia!). Mh, Graff will nen Zwanni dafür haben aber die kostet’s bei Amazon mit Versand dann ja auch.

Buch: Thomas Pinchon – »Vineland«

Ich habe mir, weil ich unbedingt was zu lesen brauchte, auf meinem Istanbul-Urlaub in der Robinson Crusoe-Buchhandlung wahllos* ein Buch von Thomas Pynchon gekauft, weil ich über den Herrn bisher nur Positives gelesen hatte. Abstrus und wahnsinnig sollte es sein, mit unendlich vielen Querverweisen und Verschwörungstheorie-Paranoia. Letzteres gab’s dann wenigstens auch, die ganze Zeit sind irgendwelche amerikanischen Geheimdienste dabei irgendwas düsteres auszubrüten und Menschen zu manipulieren. Spannend ist das nur bedingt

Auch ansonsten war ich mehr als enttäuscht. Das liegt vielleicht an meiner Ignoranz, daran daß ich die sprachliche Schönheit nicht erkenne oder so, aber inhaltlich kommt mir das Buch – das ich nach zwei Dritteln abgebrochen habe – vor, als könnte man daraus sehr gut einen Hollywood-Film machen. Und anders als bei Peter Høegs »Das stille Mädchen«, bei dem sich beim Lesen auch ein sehr actionreicher Film im Kopf abspielt, ist dieser Film einfach nur durchschnittlich (im Gegensatz zu »Vinlenand« ist Høegs Buch nicht nur inhaltlich sondern auch sprachlich eine Wucht).

Völlig verloren hat »Vineland« an dem Punkt, an dem eine Figur in Japan asiatische Kampfkünste lernt. Das ist jetzt wieder eine von meinen persönlichen Aversionen, daß ich es irgendwie nicht sehen/lesen mag, wenn Gaijins versuchen Ninjas zu werden aber ab dieser Wendung fand ich das Buch einfach nur lächerlich. Hinzu kommen dann noch die Episoden, die in der Hippie-Zeit spielen, eine Epoche, die mich auch nie faszieniert hat.

Einer der Klappentexte preist das Buch als großen amerikanischen Roman und ich musste es deswegen beim Lesen immer unbewusst mit Neil Gaimans »American Gods« vergleichen, weil das für mich persönlich ein großer amerikanischer Roman ist. Und Gamains Amerika gefällt mir besser (bzw. bei Gaiman hatte ich das Gefühl, wirklich auf sowas wie die Seele Amerikas vorzustoßen, weites Land, düster und bedohlich, Leere, vorschrobene Menschen, Motels, Kleinstädte etc.), aber das ist ja auch Fantasy-Schund, da steh’ ich halt einfach mehr drauf.

Am meisten erinnert mich »Vineland« leider an das auch sehr enttäuschende »Illumminatus!« von Robert Shea. Ich weiß, daß das bestimmt ein fieser, unzulässiger Vergleich ist aber beide Bücher waren für mich ähnlich langweilig und lächerlich. Selten habe ich in letzter Zeit so etwas enttäuschendes gelesen.

Dann lieber nochmal Neil Gaimans »American Gods«.

*Da bei englischen Büchern ja meist nur immer gleicher Lobhudelquatsch und wenn überhaupt nur eine meist fast genauso wenig aussagekräftige und nur zwei Sätze lange Inhaltsangabe auf den Umschlag gedruckt werden, habe ich mich für ein mitteldickes Buch entschieden. Im Nachhinein vielleicht nicht das beste Auswahlkriterium …