Juli Zeh & Ilja Trojanov beim Chaosradio

Schon ein bischen her aber ich habe grad entdeckt, daß es am 12.08.2009 ein Chaosradion Express des CCC gab, bei dem Tim Protlove sich mit Juli Zeh und Ilja Trojanov über die Themen ihres damals grade veröffentlichten Buches Angriff auf die Freiheit unterhalten. Wie beim Chaosradio üblich ist das sehr unterhaltsam und sehr lehrreich zugleich, Zeh und Trojanov sind dem Konzept der Sendung entsprechend sehr frei und zu allerlei Albereien aufgelegt, wobei es dann auch immer wieder ernst zur Sache geht zu Themen wie Einschränkung der Privatsphäre durch den lieben Vater Staat etc.

Das Ganze ist eines der interessantesten und klügsten Gespräche, die ich seit langem gehört habe, man merkt Zeh und Trojanov an, daß sie Schriftsteller sind, sie wissen es mit Worten umzugehen (in einer Weise, die konträr zu den peinlichen, leeren Worthülsen der Politiker, um die es auch immer wieder geht, stehen). Dann werden kleine Diamanten eingebaut, wie z.B., wenn Juli Zeh berichtet, wie sie an Gymnasien Lesungen macht und die Schüler »mit zarten 16, 17 Jahren, wo man sich eigentlich überlegen sollte wo man den nächsten Joint kauft, denken die darüber nach, ob sie einen Job kriegen«.

Wie immer echt eine Hörfreude:

[audio:http://chaosradio.ccc.de/archive/chaosradio_express_135.mp3]

Zitat des Tages

Die individual-anarchistische Auffassung, dass “mein Werk” mir und nur mir allein gehört, ist wohl ein Ergebniss eines falsch verstandenen Individualismus- und Schöpferkults, denn kulturelle Produktion ist immer schon per se gesellschaftlich. Was jemand allein im Wald erzeugt, hat der Unabomber exemplarisch klar gemacht.

Armin Medosch (Link vom mir) in einem sehr lesenwerten Artikel, der sich ebenfalls auf Susanne Gaschkes Anti-Internet-Pamphlets (boah, allein schon dieses Platzhalter-Bild …) in der Zeit bezieht. Sehr interessante Apekte werden hier erörtert, daß die Zeit zur Holtzbrinck-Gruppe gehört war mir z. B. garnicht klar und auch auch über die Einschränkungen was wissenschaftliche Veröffentlichungen angeht und wie Open Acces und Science Commons da Abhilfe schaffen können hab ich gestern an anderer Stelle schonmal drüber nachgedacht (dazu hoffentlich später mehr).

Die Zeit auf Abwegen

Wow, ich bin grad über Titanic auf diesen Artikel in der Zeit gestoßen, in dem sich Susanne Gaschke (in einem für die Zeit erschreckend boulevardesquen Stil) über den Untergang der Kultur durch Pirate Bay auslässt. Wie immer in letzter Zeit werden Per Olov Enquist, der neben Henning Mankell einer der populären Gesichter der Anti-Pirate-Bay Bewegung in Schweden ist und sich letztens in der SZ über die angeblich/anscheinend durch Produktpiraterie enstanden Einbußen beim Hörbuch-Geschäft beklagte, und J. K. Rowling als Beispiele ihrer bedrohten Art angeführt.

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