Ohne Kommentar #1: Orks sind keine Nazis

In letzter Zeit passiert es des Öftereren, dass ich schon geschriebene Kommentare nicht posten kann (manchmal wg. Noscript/Gostery etc. aber auch, weil ich keine Lust habe, der jeweiligen Seite Zugriff auf meinen Twitter-Account zu geben oder ähnliche alberne Login-Prozederes durchzustehen). Deswegen gibt es einige dieser Kommentare jetzt hier, Trackbacks, tut eure Pflicht!

Den Anfang macht ein merkwürdiger Artikel auf Direkte Aktion einem Blog, das ich früher stärker frenquentiert habe, weil es einigermaßen links ist und sich gegen Nazis, Atomkraft etc. ausspricht. Dann erschien ein recht unreflektierter und fahrlässiger Artikel, der Avatar, Harry Potter und HdR als Anti-Nazi-Filme auflistet:*

Ich kann zu den meisten Filmen wenig sagen (Avatar?** Harry Potter?*** … aua, aua, aua) aber Herr der Ringe ist – wenn überhaupt irgendwas – rassistisch. Die Filme (und Bücher) erzählen – überspitzt formuliert – die Geschichte von einem Haufen weißer Männer**** hust Ariern hust, die ihr Land gegen die (russisch-kommunistischen? asiatischen/arabischen?) Horden aus dem Osten verteidigen. Die Bücher sind zwischen 1937 bis 1949 geschrieben worden, d.h. Tolkien könnte vom Kampf gegen die Nazis beeinflusst worden sein, in der Geschichte kommt das aber nirgends zum Ausdruck.

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»Zeitgeist Addendum«

Juhu, Verschwörungstheorie. Ich hatte mich, als ich den ersten Teil gesehen hatte, nicht dazu geäußert, weil der Film mich zwar bewegt hatte – in positiver und negativer Hinsicht – ich ihn aber insgesamt so schlecht fand, daß ich mir das ersparen wollte.

Der zweite Teil krankt an ähnlichen Fehlern wie der erste, der Bildschirm bleibt diesmal nicht über lange Strecken sondern immer wieder kurz schwarz, ohne daß man einen Grund dafür erkennen könnte. Auch ansonsten ist das von der Aufmachung leider sehr wie dieser sehr gut gemeinte aber handwerklich nicht so gekonnte Film übers Grundeinkommen. Und obwohl ich zugebe, daß es ein komplexes Thema ist, weiß ich nicht, ob es vielleicht nicht sinnvoller gewesen wäre, daß Ganze – genau wie den Grundeinkommensfilm – etwas kürzer zu gestalten (vor allem Anfang und Ende könnte man gut kürzen). Das Medium Film eignet sich so oder so nicht für wissenschaftlich-wasserdichte Theorien und Erklärungen sondern kann immer nur Anreiz sein, sich mit etwas eingehender (textlich) zu beschäftigen. Und zwei Stunden sind für einen Denkanstoß schon hart.

Inhaltlich geht es um das übliche, zugegeben mehr als schreckliche Genudel, wir sind alle Sklaven von den Banken und internationalen Konzernen, daß wissen wir ja und das es solche Filme gibt bedeutet auch, daß es nicht tragisch ist, wenn es alle wissen, weil man schlecht was dran ändern kann. Als Lösung wird diesmal (im ersten Teil kam da ja nur so spiritueller Blödsinn) ein utupisches Projekt namens Venus angeboten (warum das so heißt ist mir nicht klar). Und – oh Freude – zum Schluß wurden sogar Tips zur Weltvebesserung für den Heimgebrauch gegeben, ein Manko, den nicht nur der erste Teil sondern fast alle Filme dieser Art haben: okay, das System ist scheiße, check, aber was sollen wir machen? Neu sind die Lösungen natürlich ebensowenig wie das Problem: meide die bösen Konzerne, investiere in zukunftsweisende Technologien, engagiere dich (aber nicht politisch! Das ist bäh!) etc. Find ich gut, daß das im Film angemerkt wird. Im Michael Moore-LandWelt kann man sowas nicht oft genug sagen.

Neuer Blenderfilm: »Sintel«

Hab grade entdeckt, daß der neue freie Film der Blender Foundation wieder mehr nach meinem Geschmack sein wird (Elephant’s Dream war ja super aber danach gab’s ja so einen Pixar-Tierfilm, dazu bin ich immer noch net bereit …).

Ich geh mal nicht davon aus, daß die Story nicht weltbewegend sein wird (das ist ja bei einem Heroic Fantasy-Kurzfilm auch fast unmöglich) aber ich hab jetzt schon wieder Bock auf animieren und freie Software, vielleicht probier’ ich Blender ja nochmal aus (auch wenn ich die Steuerung entweder immer noch nicht verstanden habe oder sie tatsächlich irgendwie dämlich ist … zumindest wenn man Cinema 4D kennt, wahrscheinlich).

Wie auch immer, es gibt einen Produktionsblog, einen Youtube- und einen Vimeo-Account.

Hier die Animatic der ersten Minute:

Fantasy: Abhorsen, Keys to the Kingdom, Merle-Trilogie

Nach dem Lesen von Nicholas Sayre and the Creature in the Case in Across the Wall und meinem erschreckten Feststellen, daß das ja die einzige Old Kingdom-Geschichte in dem Band ist, habe ich begonnen die Hörbücher, gelesen vom immer wieder brillianten Tim Curry, nochmal zu hören, ich bin irgendwie total fasziniert von der Welt, die Garth Nix da erschafft, ein Gefühl, wie ich es z. B. aus den besten Momenten von The Elder Scrolls: Morrowind kenne.

The Creature in the Case war ein wunderschönes Wiedersehen mit den liebgewonnen Charakteren und der Welt und die Hörbücher sind jetzt natürlich nur eine Übersprungshandlung, bis vielleicht mal neue Bücher kommen. Hier finde ich die Idee ein Buch über Chlorr of the Mask zu machen, also einer in der Serie als »Böse« Auftretende (wobei man Nixs Sympathien für sie am Ende von Buch 3 im Nachhinein schon ahnen kann) fast genauso spannend wie ein Sequel zu Abhorsen.

Der Keys to the Kingdom-Serie stehe ich noch ein bischen skeptisch gegenüber. Das erste Buch war im Großen und Ganzen echt gute Kost, das zweite kommt noch nicht so wirklich in Schwung. Mister Monday und Grim Tuesday sind für mich bis hier eher wie – die auch wirklich nicht schlechte – Merle-Trilogie von Kai Meyer, gute Unterhaltung zwar aber an das Alte Königreich reichen sie nicht heran.

Apropos, die Merle-Trilogie höre ich ja auch mit gemischten Gefühlen: Einerseits mag ich das Setting Venedig und die Charaktere recht gern, und auch die Idee einer real existierenden Hölle finde ich großartig, mit den Ägyptern/Pharaonen als Feinden tue ich mich allerdings noch schwer. Ich glaube, die Kultur ist mir durch Kindertage und diese beschissenen Die Mumie-Filme irgendwie zu verleidet worden als daß ich da wirklich noch Angst vor haben könnte. Und mit Verlaub gesagt, während ich Katharina Thalbachs Lesung von Kai Meyers Frostfeuer ziemlich überzeugend fand, stößt Nina Petri bei der Merle-Saga merklich an ihre Grenzen. Den jungen Protagonisten kann sie einigermaßen glaubhaft eine Stimmer verleihen, bei älteren Menschen, Bösewichten und monströsen Getier, das einen gruseln sollte, gelingt dies aber überhaupt nicht, was der Spannung der Erzählung natürlich nicht grade gut tut

Ach, ja: hatte ich damals übersehen: bad news, sie machen einen Sabriel-Kinofilm (und vielleicht auch einen oder mehrere von Keys to the Kingdom). Irgendwie bin ich aber soweit, daß mir das echt egal ist, ich werde es mir sowieso nicht anschauen, nach dem Goldenen Kompass, Krabat und diversen anderen Machwerken lässt es mich inzwischen völlig kalt, wenn meine Lieblinge durch die Hollywood-Maschine gedreht werden.

Zitat(e) des Tages

»Auch aus Kindern werden Erwachsene […]. Wenn sie dann eine weniger freie und demokratische Gesellschaft vorfinden als die ihrer Eltern, weil die Eltern sie vor Schmutz und Schund bewahren wollten, ist etwas schiefgegangen.«

Hans Schmid bei Telepolis

Ach ja, Telepolis. Man muss es einfach lieben, dieses völlig wahnsinnige Magazin (von dem ich nur die Online-Ausgabe kenne, die so hässlich ist, daß es schon wieder Stil hat) in dem neben aktuellen weltpolitischen Themen und Nachrichten auch immer wieder Platz für diverseste, liebenswerte Absonderlichkeiten ist. Leute lassen sich in unfassbar ausufernden Artikelreihen über Leben und und Schimpfen von Aleister Crowley aus oder berichten über ihre Erfahrungen mit den Untiefen der deutschen Filmzensur (und dieses Wort benutze ich hier bewusst) der FSK, wie hier eben Herr Schmid, der dies natürlich sehr interessant mit einer (Gewalt in den) Medienkritik verbindet, mit Seitenhieben auf die aktuelle Killerspiele-zur-Verhinderung-von-Amokläufen-verbieten-Diskussion aus medienhistorischer und Horrorfilmfreund-Sicht.

Der Artikel gipfelt in einem wunderbaren Zitat von Irmgard Keun aus ihrem Roman Ferdinand, der Mann mit dem freundlichen Herzen, daß ich auch denjenigen ans Herz legen möchte, die kein Interesse daran haben sich den ganzen Artikel zu Gemüte zu führen. Es ist einfach zu sehr einem Stefan Niggemeier würdig, Frau Keun schreibt:

»… obwohl die Tagespresse es schätzt, wenn Autoren über Dinge schreiben, von denen sie nichts verstehen. Tiefe Unkenntnis wirkt auf weite Kreise der Leserschaft überzeugend, auf weitere Kreise liebenswert.«

Candidate for Worst Movie of all Times: Narnia 1

I watched the first part of the Narnia-chronicles mainly because I heard about the rumours that it is used by fundamental christians as propaganda (Philip Pullman’s ingenious »Dark Materials«-series is viewed as the counterpart to this). So I might have been slightly preoccupied when watching the movie but I just can’t help it: this was one of the worst things I have ever seen. I know it may be a little unfair to compare it with Lord of the Rings because Narnias target audience is much younger, but on the other hand this being a children-movie is no accuse for doing almost everything wrong that you can do wrong in a movie. What that would be can be read after the break.

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»Ghost in the Shell 2« & Hans Bellmer

Hans Bellmer — Doll

Hans Bellmer

Coming to think of it, actually did (re-)watch a nice movie in the last time. I am doing a work on Internet/Hypertext as a theoretical background for my recent project and I thought about GitS and the network-theories they talk about there and I decided to watch Innocence again.

It was a real treat as always and just as the other times I watched it I couldn’t decide if I should concentrate on the breathtaking pictures and animation (except for some too much CGI-looking CGI I totally adore this movie’s style) or on the story/subtitles (I got a fansub that has heavy explanation for all the references and quotes, it’s unbelievable what Mamoru Oshii rubbed into that movie).

I learned from wikipedia that the design of the cyborgs is inspired by the German artist/photographer etc. Hanns Bellmer (if you know it the hint with the book is really obvious of course) and his fabulous dolls.

*shudder*

Uuah, I watched two shitty movies in a row recently, the first one was Hellboy 2, the second one Resident Evil (3?): Extinction.

I watched Hellboy for curiosity-reasions, I could not believe that del Toro could make a movie as bad as my friends said it was. But he sure did (wow, and he did this shitty Hellboy-Animated-series too. I really tried to watch that. But it was just too badly drawn and stupid). Hellboy — The Golden Army heavily reminded me of Spiderman 3, both movies left me with this strange feeling that what I just watched was not a movie but some kind of half-baked brainstorm conglomerat for the next few Spiderman/Hellboy movies (which I — for sure in vain — hope they are not going to do). It didn’t feel like a good composed story but rather a crude mix of (bad) ideas. Nevermind, I never cared much for Spiederman and Hellboy can never be as good as a movie as it is as a comic (actually, I think Hellboy works only as a comic, in a movies the ideas and characters just seem too ridiculous).

I knew that Resident Evil would be bad, though. RS2 totally sucked so I didn’t believe it would get any better. It didn’t of course and I only watched it because I am recently doing some research on Apocalypse. But even watching it with that perspective was kind of frustrating, because it was uninspired and unlogical. Nevermind.

»Persepolis«

Ich hatte während des FilmEkimi in Istanbul das Vergnügen, die Verfilmung von Marjane Satrapis »Persepolis« auf großer Leinwand zu sehen, was an sich schon wunderbar ist, weil ich noch nichtmal davon ausgegangen bin das ich den jemals in irgendeiner (illigalen) Form zu sehen kriegen würde. Das Vergüngen wurde, wie im Kino in Istanbul leider öfters dadurch geschmählert, daß ein Drittel des Bildes von türkischen Untertiteln verunstaltet wurden und die englischen Untertitel auf einer kleinen Extraleinwand unter der großen eingeblendet wurden, was immer anderthalb Stunden Kopfstrecken bedeutet. Auch bin ich durch diese Konstruktioenen aufgrund des großen Abstands von den Untertiteln zum eigentlichen Bild das erste Mal in meinem Leben in der Lage, zu verstehen warum manche Leute Untertitel nicht mögen: man kann entweder den Film lesen oder ihn sich anschauen. Beides ist nicht möglich.

Bei »Persepolis« ist genau wie bei »Ghost in the Shell II« anschauen sicher die bessere Wahl, das französische Team hat es tatsächlich geschafft Satrapis etwas naiven Stil sehr schön auf der Leinwand umzusetzen, meiner Meinung nach gewinnt, der Film im Vergleich zu ihren Comics sogar fast ein bischen etwas durch den Einsatz von sehr schönen Schattentexturen. Vor allem im letzten Drittel und zum Schluß lässt die Geschichte an Spannung nach, was aber wohl verzeihlich ist, da es sich ja um eine Autobiographie handelt. Auch die Animationen erinnerten mich teilweise an die von mir nicht so geschätzten größeren westlichen Produktionen vergangener Zeiten aber insgesamt gab es einen Haufen sehr schöner Momente, wieder einmal würde man gern ein Making Of sehen, teilweise kommt es mir so vor als hätten sie es geschafft CGI sinnvoll einzusetzen.

Michael Ende

Recently I rediscovered the works of Michael Ende. In my opinion he was one of the best German authors of children’s books of all time.

I’ve always been in love with his »Der Satanarcholügenialkohöllsiche Wunschpunsch« (»The Satanarchaeolidealcohellish Notion Potion«), there is a really good audiobook (and a – of course – really BAD animated tv-series) of this work, produced in the 90s – read by the maestro himself – that shows what a great reader he is. I own it on casette and I don’t know how many times I’ve listened to it but I can quote almost the whole thing.

I had the opportunity to watch the screen adaption of »Momo« on the big screen once and I really enjoyed it. I am listening to its audiobook these days and it is really astonishing to see how this modern »fairy tale« deals with subjects I’ve been bothering myself with recently, such as: Is work/success really the center of my life? Am I doing the right thing with the time I got? How do I want to spend my life? Ende has a great way of dealing with these essential questions, creating lovely characters and telling unique, universal stories with them.

Another of these »Strange how life goes in circles all the time«-thing happened when doing some research on Michael Ende: I was really happy to read that he was fascinated by Japanese culture because – as some may have noticed – I am too. He seems to have translated some stories by Kenji Miyazawa (known best for his »Night of the Milky Way Railway«) into German with his Japanese translater and second wife Mariko Satō. And guess what: I really have a favour Miyazawa too. Don’t know if they published the stories they translated though because there is only one book with Miyazawa-stories available in Germany, I think (»Die Früchte des Ginkgo «) and that has been translated by someone else. Still pretty cool ^__^

What most people don’t know – I suppose – is that he has written some really wonderful stories for grown-ups (or rather stories ONLY for grown-ups because just like the films of Hayao Miyazaki / Studio Ghibli ALL of his stories should be read by adults) like »Der Spiegel im Spiegel« (»Mirror in the Mirror«), a collection of really weird short stories.

And don’t forget to get your eyes on the wondeful illustrated »Der Lindwurm und der Schmetterling« (beware of the new – pretty bad – version with illustrations by the same artist, Wilfried Hiller) one of my other favourites.

Tery Gilliam’s »Tideland«

Brilliant. Just brilliant. I’ve been longing for just one good film for so long now and here it is. I’ve been watching Gilliam’s »Brothers Grimm« recently which was one of the »not too bad« movies that I’ve watched so many of in the last time and I expected that »Tideland« would be better but I didn’t expect it to be THIS better. So this is a movie about a young girl with a fantastic imagination, who happened to be born into an American white-trash hill-billy surrounding. You start wondering if it isn’t little odd that this young girl is preparing the shots for her father’s »little vacations« but this is one of the least odd things about to happen. Everyone’s a freak, some are nice and some are not.

This is an elaborated, fantastic, sick, wonderful hell of a film. Watch it.

Terry Gilliam’s »Tideland«

Terry Gilliam (genau: »Monty Python«) hat einen neuen Film gemacht. Also schon 2005 aber vielleicht könnte der ja auch mal hier an den Start gehen (war für Ende September 2006 angekündigt, sieht aber nicht mehr so aus). Nach »The Brothers Grimm«, den ich noch nicht gesehen habe, der ja aber wohl eher Popcornkino als Geniestreich war, kommt jetzt »Tideland« (das Intro zur Website ist so schlecht, daß es fast schon wieder witzig ist), der irgendwie entfernt an Neil Gaiman & Dave McKean’s »Mirror Mask« erinnert. Yeah.

»Shadow of the Colossus« / »Wanda to Kyozō«

Ich bin ja wie gesagt nicht so der Hardcore-Gamer, als Apple-Nutzer wäre ich sonst bestimmt auch schon wahnsinnig geworden und außerdem ist das generell auch noch so ein Hobby was einen vom Arbeiten und von Freunden abhält.

Aber von »ICO« und »Shadow of the Colossus« hatte ich schon viel gehört und war ganz versessen darauf, weil simple, innovative Spielkonzepte gepaart mit hübscher Graphik (die jetzt nicht der Knaller ist aber für mich, der bei der Graphikentwicklung von PS1-Spielen hängen geblieben ist, kann sie sich durchaus sehen lassen) immer eine feine, aber natürlich auch seltene, Sache sind.

Der Abend war dann auch ein perfektes Beispiel dafür, was ein Computerspiel im Normalfall ist und was es sein könnte. Das erste Spiel war aufgrund eines Mißverständnisses nicht »ICO« sondern »Genji« ein mittelmäßiges Hack’n’Slay-Game im Samurai-Fantasy-Look: »Geh da hin, bring fünf Typen um, geh da hin bring den Endgegner um. Sammel Heilkräuter ein.« usw. usf. Langweilig.

»Shadow of the Colossus« wartet mit einem stimmungsvollen Vorspann, der von einem epischem Soundtrack unterlegt ist, auf, der auch im Rahmen des Spiels immer wieder für Begeisterung und Atmosphäre sorgt. Die Story ist so simpel, daß man gottseidank keinen Film draus machen kann: ein eher androgyner Krieger (der in Deutschland sinnvollerweise den aus dem Titel übernommenen Namen »Wanda« hat. Fast so witzig wie der Typ bei »Blame!«, der »Alter« heißt…) ist an das Ende der Welt gereist um ein Wesen darum zu bitten, ein Mädchen aus dem Reich der Toten zurückzuholen. Das Wesen ist bereit, ihm diesen Wunsch zu erfüllen, wenn er eine Anzahl (16) Götzen zerstört indem er die Kolosse, die sie repräsentieren besiegt.

Das Spiel ist der absolute Knaller, ich hatte es bisher bei keinem Spiel, daß einem einfach immer der Mund offen stehen bleibt, wenn diese riesigen, gewaltigen Viecher ankommen, mit einer Keule auf den Boden hauen, Erde fliegt weg, der Boden bebt, man wird von den Füßen gerissen stürzt hin. Oder wenn man in halsbrecherischer Manier auf diesen gigantischen Dingern rumkrabbelt, die Schwachstelle gefunden hat, ihm den finalen Stoß versetzen will und sich nur noch ganz wenig festhalten kann und das Vieh dann anfängt sich zu schütteln und man circa 40 Meter in die Tiefe stürzt und nochmal hochklettern muss.

Und als Sahnehäubchen gibt es dieses sehr süße, schwarze Streitroß, das auf den herzallerliebsten Namen »Agro« hört auf dem man neben dem normalen (zugebene etwas verplant aussehenden) Reiten auch noch so – bisher gottseidank völlig sinnfreie – Kunststücke wie sich auf das Pferd stellen und von dort mit dem Bogen schießen vollführen kann. Wie man sich an die Seite hängt habe ich leider noch nicht rausbekommen.

Das Gameplay ist außer der etwas nervigen Kamera erfreulich einfach gehalten, der Bogen hat unendlich Schüsse, das Schwert nutzt sich nicht ab, die Energie läd sich wieder von alleine auf, kein stundenlanges Suchen nach Heilkräutern, Waffenschmieden oder ähnlichem Firlefanz. Für zusätzliches Adrenalin sorgt die erwähnte »Festhaltekraft-Anzeige«, die sich leert je länger man ohne zu stehen auf den Kolossen herumklettert, wenn sich diese zum Ende neigt, kann einen die Kreatur abschütteln oder man fällt von allein in die Tiefe.

Alles in allem ein einzigartiges Spiel. Leider.

»Gusha no bindume«

a.k.a. »Gusher No Binds Me« a.k.a. »Hellevator« a.k.a. »The Bottled Fools«.

O mein Gott, O mein Gott, O mein Gott, endlich wieder ein Film bei dem man die ganze Zeit denkt: »Warum können die in Deutschland nicht so krasse Filme machen?« Klar, man merkt ein bischen, daß es nicht unendlich viel Geld für den Film gab, aber das tut einem Film ja manchmal auch sehr gut (siehe »Cube«).

Bißchen schade (und je länger man drüber nachdenkt desto mehr), daß nicht genau geklärt wird, was die Ursache für die mentale Verfassung von Luchino ist. Auch wär ein bischen weniger Splatter vielleicht mehr gewesen aber nur um das mal klar zu stellen: entgegen der Meinung von gewissen Kommentatoren bei imdb.com ist dieser Film um Klassen besser als Kram wie »Resident Evil«. Popcorn-Kino vs. Independent-Underground-Splatter-Sci-Fi? Wer da wohl gewinnt.

Spannend auch die Parallelen zu Tsutomu Niheis »Blame!«. Ich bin mir sicher, daß das zufällige Ähnlichkeiten sind und sie sind auch nicht besonders groß, mal abgesehen von dem Ausgangspunkt, daß beide Welten in Ebenen aufgebaut sind gibt es da natürlich nicht viel. Außer vielleicht der Stimmung, wenn sie mal einen Realfilm von »Blame!« machen sollten, dann bitte so, dieser Film hat genau dieses Gefühl von Enge, Klaustrophobie, Düsternis und Hoffnungslosigkeit, wie »Blame!« in seinen besten Momenten.

Also: Kaufen, kaufen, kaufen, »Blame!«-Fans noch mehr als alle anderen.

»Swing Girls«

Okay, bester Film seit langem.

Ähnlich wie bei »Kiki’s Delivery Service« stellt sich während und nach dem gucken dieses wunderbare »Hach-ist-das-schön«-Gefühl ein, dies ist ein Film ohne wirkliche Konflikte, ohne Drama, Mord, Totschlag oder Gore einfach nur eine witzige, mitreissende Kömodie über ein paar Schulmädchen, die eine Jazz-Bigband gründen.

Dem Regisseur Yaguchi Shinobu, gelang ja schon 2001 ein Achtungserfolg mit seinem Film »Waterboys«, der in ganz ähnlicher Weise wie »Swing Girls« von einem Haufen eher »uncooler« Jungs erzählt, die eine Synchronschwimmgruppe bilden. Ich hatte den Film im Kommunalen Kino gesehen und war eigentlich nur reingegangen, weil es der einmal im Monat laufende japanische Film war. Aber auch schon der Film bewirkte, was man nur bei recht wenigen Filmen erfährt, daß man begeistert und voll guter Hoffnung aus dem Kino kommt. Und genau so verhält es sich mit »Swing Girls« auch.

Und genau wie in »Waterboys« zeigt auch dieser Film ein paar schöne Eindrücke aus dem japanischen Alltag und der Schulzeit, oder dem was das japanische Kino uns typischerweise transportiert. Trotzdem und genau deswegen natürlich alles ganz herzallerliebst. Ein paar richtige Lacher gab es übrigens auch, wie zum Beispiel ein Mann, der eher unbeabsichtigt einen Hügel herunterfährt und sich ein paarmal dabei überschlägt und unten einfach weiterfährt als sei nichts gewesen. Oder wie die Damen von der Big Band im Fahrstuhl eines Supermarktes die nach oben zu transportierenden Schaufensterpuppen abknutschen, was die oben Wartenden natürlich etwas verwirrt.

So, als nächste muss dann wohl irgendwie »Give it all!« / »Ganbatte ikimasshoi!« ran, da geht es um eine Mädchenrudermannschaft, daß kann ja auch nur wieder schön werden.