Animation: »Le Tableau« / »The Picture«

Spoilers!

Wow. Das war ja ziemlich gut. Klassismus/Rassisumus und Religion in einer fantastischen Welt, in der die gemalten Figuren eines Künstlers ein Eigenleben führen. Da der Maler das Bild nicht fertiggestellt hat, existieren manche Figuren nur unvollständig oder sogar nur als Skizze und werden von den fertigen Personen als minderwertig angesehen. Die Unterdrückten hoffen auf die Rückkehr des Malers, damit er auch sie zu vollständig gemalten Menschen macht …

Der Film schafft es wie bisher kaum ein anderer dem Cellshading-Look á la Zelda – Wind Waker eine wirklich malerische Qualität zu geben und die computerisierten Animationen sind nur an ganz wenigen Stellen störend. Die Geschichte hat im zweiten Drittel leider einige Längen und auch das Finale hätte für meinen Geschmack etwas dramatischer ausfallen können. Auch der Klassismus-Symbolik sollte sicher nicht zu weit nachgegangen werden, weil der Film ansonsten ein „Gleichheit durch Aufstieg“ propagiert, was ja sicher nicht die Lösung sein kann. Insgesamt hätte ich es schön gefunden, wenn es noch ein paar mehr Personen außer der Hauptperson Lola gegeben hätte, die sich mit ihrer „Unfertigkeit“ angefreundet hätten, so dass die „Fertigen“ sich mit dieser Gruppe arrangieren müssten und ihre Vorurteile ablegen könnten. Die Lösung, dass jede/r sich halt selber fertig malt, macht wohl nur Sinn, wenn der Weg von Skizze zur ausgemalten Person nicht als gesellschaftlichen Aufstieg sondern als Charakterentwicklung gesehen wird (was ja im Film auch durchaus so gezeigt wird).

Insgesamt war ich sehr überrascht, von diesem hervorragenden Film noch nie etwas gehört zu haben (Pluspunkte gibt’s auch für die farbige Hauptperson, ich hab’ in letzter Zeit das Gefühl, dass Frankreich in dieser Hinsicht sehr viel weiter ist als USA/UK/Deutschland etc.). Jean-François Laguionie werde ich auf jeden Fall ich mal im Auge behalten.

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